27.05.2019, Know-How

App Store Optimierung in der Schweiz: Mit den richtigen Keywords zu mehr Visibilität

Wie kann man Sprachversionen zur Erhöhung der Visibilität einer App in den Stores nutzen? Dies und mehr Tipps rund um ASO erfahren Sie hier.

 

Gastartikel von Oliver Hoss,  Mobile Marketing Manager bei Scout24.ch und Autor des Buches «App Store Optimization – A Step-by-Step Guide to Boosting Your App’s Organic Downloads».

 

Mehrsprachige Länder wie die Schweiz halten für ASO-Spezialisten besondere Herausforderungen bereit, denn die einfache Übersetzung von Keywords ist aufgrund von regionalen Sprachgewohnheiten nicht immer zielführend.

So ist es beispielsweise auch unter deutschsprachigen Schweizern üblich französische Vokabeln wie «merci» in ihrer Alltagssprache zu verwenden. Nun ist «merci» genau wie sein deutsches Pendant «danke» üblicherweise kein Begriff, der als Keyword taugt, da er keinen Beitrag dazu leistet das zu lösende Problem eines Users zu spezifizieren.

Doch es gibt andere Beispiele: Für Apps rund ums Thema Auto könnte etwa der Terminus «Gebrauchtwagen» relevant sein, und eine Keyword Analyse für den deutschen Markt wird diese Annahme bestätigen. Die Deutschschweizer nutzen «Gebrauchtwagen» jedoch eher selten in ihrer Alltagssprache. Sie bevorzugen den französischen Begriff «Occasion».

Halb so wild, könnte man meinen. Denn wer seine iOS App in der Schweiz vermarktet, hat sicher bereits eine französische Übersetzung seiner Product Page, also der Produktdetailseite der App, erstellt und «Occasion» in deren Keyword Feld platziert. User, die im Schweizer App Store nach «Occasion» suchen, bekommen die App also in jedem Fall zu sehen.

 

Beispiel für eine iOS Product Page“ [1]
 

Diese Vorgehensweise erscheint logisch – und wäre dennoch ein fataler Fehler. Es ist richtig, dass User, die Suchanfragen mit nur einem Keyword durchführen, eine App unabhängig davon, in welcher Sprachversion dieses Keyword verwendet wird, finden. Voraussetzung ist lediglich, dass die entsprechende Sprache im Zielland von Apple’s Suchalgorithmus indexiert und entsprechend durchsucht wird. Im Schweizer App Store trifft dies auf vier Sprachen zu: Deutsch, Französisch, Italienisch und britisches Englisch.

 

Long-Tail Keywords richtig einbauen

Warum ist also die Verwendung eines französischstämmigen Keywords nur in der französischen Übersetzung unter Umständen ein Fehler? Der Grund dafür sind die sogenannten «Long-Tail Keywords». Als solche bezeichnet man Suchanfragen, die aus mehreren einzelnen Keywords bestehen. Im Kontext einer Auto-App könnten dies etwa «Occasion kaufen», «günstige Occasion» oder «Occasion Händler» sein.

An dieser Stelle wird es nun etwas kompliziert. Denn um eine App an die Spitze der Suchergebnisse für ein Long-Tail Keyword zu katapultieren müssen alle in diesem Long-Tail Keyword enthaltenen Einzelbegriffe Bestandteil der Product Page sein. Das Keyword Feld müsste also «Occasion» und «kaufen» enthalten damit die App als Suchergebnis für «Occasion kaufen» gelistet wird.

Leider unterstützt Apple’s Algorithmus aber keine Sprachvermischungen und durchsucht die verschiedenen Übersetzungen der Product Page nur unabhängig voneinander. Steht also «Occasion» im französischen und «kaufen» im deutschen Keyword Feld, so erkennt der Algorithmus die App nicht als relevantes Suchergebnis für «Occasion kaufen». Alle zu kombinierenden Keywords müssen daher zwingend in derselben Sprachversion ­–  in diesem Fall in der deutschen Übersetzung – verwendet werden. Andernfalls verzichtet man als App Promoter auf die von Long-Tail Keywords generierte Visibilität.

 

Zusätzliche Sprachversionen erhöhen die Visibilität

Es gibt noch einen weiteren Weg, Sprachversionen zur Erhöhung der Visibilität zu nutzen. Apple’s App Store indexiert in der Regel mindestens eine Sprache, die keine offizielle Landessprache ist. In den meisten europäischen Ländern, inklusive der Schweiz, ist dies britisches Englisch.

Und eine englische Product Page macht für eine Schweizer App absolut Sinn: Für 5% der Schweizer Bevölkerung ist Englisch die Umgangssprache und sogar 20% sprechen in ihrem Job hauptsächlich Englisch [2]. Mit einer englischen Übersetzung kann man also eine neue Gruppe von potentiellen Usern abholen.

Doch selbst, wenn englischsprechende User keine relevante Zielgruppe darstellen, kann eine englische Product Page sinnvoll sein, wenn man der cleveren Strategie des deutschen ASO Experten Moritz Daan folgt [3]: Anstatt das Keyword Feld mit englischen Keywords zu füllen, verwendet man beispielsweise Keywords, die in der deutschen (oder französischen/italienischen) Version aufgrund der Beschränkung von 100 Zeichen keinen Platz gefunden haben. Der App Store Algorithmus erkennt diese Keywords auch dann, wenn deren Sprache nicht mit der Sprache der Product Page übereinstimmt.

Bei dieser Vorgehensweise zu beachten ist, dass alle für den User sichtbaren Elemente der Product Page wie beispielsweise die App Beschreibung oder die Textkomponenten in Screenshots der Sprachversion entsprechend übersetzt sein müssen. Ist diese Voraussetzung erfüllt, bietet die Strategie gutes Potential um die App in die Suchergebnisse für mehr Keywords zu bringen und damit ihre Visibilität massiv zu erhöhen.

 

Die richtige Strategie für Google Play

Für Android Apps gelten andere Regeln. Der Algorithmus des Google Play Stores indexiert unabhängig vom Land grundsätzlich alle verfügbaren Sprachversionen. Es macht also Sinn für jede Sprache, die eine relevante Zielgruppe spricht, die entsprechende Übersetzung zu ergänzen.

Da es kein für den User unsichtbares Keyword Feld gibt, müssen Android Keywords in einen Fliesstext, die App Beschreibung, implementiert werden. Dies bedeutet, dass die Verwendung von sprachfremden Keywords – und damit auch die Anwendung der Strategie von Moritz Daan – nicht möglich ist.

Das Erlangen guter SERP Platzierungen für Long-Tail Keywords wird durch diese Besonderheit ebenfalls schwieriger. Grundsätzlich erkennt der Algorithmus Long-Tail Keywords wenn alle Komponenten im Text enthalten sind. Dabei gilt analog zu Apple, dass der Google Algorithmus Sprachversionen nur getrennt voneinander durchsucht. Long-Tail Keywords werden also nicht versionsübergreifend erkannt.

Um für die eigene App die besten Platzierungen in Suchresultaten zu erreichen, sollte man jedoch nicht auf die Kombinationsfähigkeit des Algorithmus vertrauen. Die Chance auf gute Ergebnisse ist wesentlich höher, wenn man die wichtigsten Long-Tail Keywords als «Exact Match» einbaut, bei dem alle einzelnen Bestandteile in der korrekten Reihung direkt aufeinander folgen. Soll eine App also für «Occasion kaufen» gelistet werden, sollten diese beiden Begriffe in genau dieser Abfolge im Text vorkommen.

 

Tiefergehendes Wissen zur App Store Optimierung

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Quellen:

[1] Angelehnt an: Oliver Hoss, «App Store Optimization – A Step-by-Step Guide to Boosting Your App’s Organic Downloads», Bern 2019, S. 18.

[2] Sprachen,Bundesamt für Statistik, 2019, aufgerufen im Mai 2019,

[3] Moritz Daan, Increasing the Number of Keywords in App Store Optimization in Localization, ASO Stack, Juni 2016,  aufgerufen im Mai 2019.

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